Straßen unter einem schwachen Staat

Wer das Leben unter einem schwachen Staat ausprobieren möchte, dem kann ich Paraguay wärmstens empfehlen. Der paraguayanische Staat interessiert sich fürs Absahnen (wie alle andere), aber grundsätzlich für fast nichts anderes. Der Staat macht sehr wenig, das absolute Minimum. Einkommenssteuern gibt es faktisch nicht. Mehrwertsteuer teilweise, aber nur in den größeren Geschäften. Reiche gibt es viele. Und Arme auch, wohl in erster Linie weil viele der Eingeborenen sich nur begrenzt für die “Money Economy” interessieren. Homesteading ist de facto Recht, d.h. wer sein Land nicht benützt, muß mit Squatters (Landbesetzer) rechnen. Und die Squatters sind schwer loszuwerden, denn da kommt Gewohnheitsrecht zum Zuge.

Dieses relativ anarchistische Paraguay gibt zumindest eine Antwort auf die Frage, wer die Straßen bauen wird. Die Antwort lautet: Niemand. Außerhalb der Hauptstadt gibt es kaum Straßen. Wirklich. Ein Paar Hauptstraßen ja, aber voll von Schlaglöchern. Will man einen neuen Belag vorm Häuschen, oder gar einen Bürgersteig, dann organisiert man am besten eine Sammlung in der Nachbarschaft. Jedes Stadtviertel sieht dadurch anders aus. Ja ja, es kann sein, daß Privatfirmen durch bessere Organisation der Eigentumsrechte zum Bauen motiviert werden könnten. Aber die Realität ist, daß dies nicht so einfach ist. Die meisten Menschen interessieren sich halt nicht für Straßen.

Advertisements
This entry was posted in Reflections, Statism and tagged , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s